Schienengüterverkehr Statistik USA Deutschland
US-Importe und Exporte

Donald Trump hat Zölle von bis zu 49 Prozent gegen einzelne Staaten eingeführt. Großzügig, wie wir ihn kennen, hat er aber nur halb so hohe Zölle verhängt, wie diese Staaten ihrerseits von US-Firmen verlangen. Denn seine Experten haben in hochkomplizierter Fleißarbeit nicht nur die offiziellen Zölle, sondern auch Subventionen und „versteckte Zölle“ anderer Länder zusammengetragen.

Doch jetzt behauptet der Finanzjournalist James Surowiecki, Trumps Team habe einfach nur die Importe eines Landes aus den USA durch die Exporte der USA in dieses Land geteilt und dann die Differenz zu 100 Prozent als „versteckten Zoll“ geklariert.

Ist Trump so plump?

Das würde bedeuten, dass der Zollsatz überhaupt nichts mit irgendwelchen Gegenzöllen zu tun hat. Stattdessen wird vom Ziel ausgegangen, dass jedes Land aus den USA mindestens so viel importieren soll, wie es in diese exportiert.

Deutschland beispielsweise exportierte 2024 in die USA Waren im Wert von rund 160 Milliarden US-Dollar.1, Damit die Bilanz ausgeglichen wäre, müsste die Bundesrepublik also ebenfalls Güter im Wert von 160 Millilarden Dollar importieren. Tut sie aber nicht. Stattdessen kaufen die Deutschen nur Waren im Wert von 76 Milliarden Dollar, also etwa die Hälfte. Bleibt eine Differenz von etwas mehr als 50 Prozent, die von Trumps Team als „versteckter Zoll“ gewertet wird.

Was sagen die Daten?

Nun taucht Deutschland in der Liste nicht auf, weil Deutschland keine eigene Zollpolitik mehr betreibt, sondern Teil der EU ist.

Betrachten wir dagegen die Volksrepublik China, einer von Trumps Hauptgegnern. Das Land importierte im Jahr 2024 nur 33 Prozent dessen, was es dorthin exportierte. Macht eine „Trump-Lücke“ von 67 Prozent. Das ganze können wir auch für andere Länder machen,

Dunkelgrau: Verhältnis von Importen aus den USA zu Exporten in die USA. Ein Wert von 100 Prozent würde bedeuten, dass genauso viel ex- wie importiert wird. Länder, die mehr aus den USA importieren als dorthin exportieren haben Werte von über 100 Prozent (hier nicht dargestellt). Hellgrau: Differenz zu 100 Prozent, die „Trump-Lücke“.

Natürlich gibt es auch Länder, die mehr aus den USA importieren als dorthin exportieren, beispielsweise Australien, das 2024 doppelt so viel aus den USA bezog wie dorthin lieferte. Was die Australier gekauft haben, weiß ich nicht. Stark sind US-Industrieunternehmen fast nur noch in den Bereichen Flugzeuge und Waffen, denn Software wird als Dienstleistungsexport und nicht als Warenexport gezählt, wenn sie nicht gerade auf CD ausgeliefert wird.

Länder wie Australien haben beim Verhältnis von Exporten aus den USA zu Importen in die USA einen Wert von mehr als 100. Natürlich wird in diesen Ländern kein unfaires Verhalten der USA vermutet, noch nicht einmal, dass es dort keine „versteckten Zölle“ gibt. Stattdessen wird diesen Ländern pauschal ein versteckte Zoll von 10 Prozent unterstellt.

Wir haben eine Theorie – eine Theorie, die sich testen lässt

Wir können jetzt also die Hypthese von James Surowiecki mit unseren Daten testen. Dazu habe ich für mehrere Länder zuerst das Verhältnis der Exporte der USA dorthin zu den Importen der USA aus diesen Ländern berechnet und dann die Differenz zu 100 Prozent (so wie auf der Grafik oben). Wo die USA einen Überschuss erzielten oder die Lücke kleiner als zehn Prozent war, habe ich 10 Prozent als „versteckten Zoll“ eingesetzt.

Das habe ich für eine Reihe von Ländern getan, für die ich sowohl Export- und Importdaten für 2024 als auch von der Trump-Administration veröffentlichte „versteckte Zölle“ finden konnten. Die EU-Staaten sind also nicht dabei, weil sie gemeinsam behandelt werden, auch Mexiko und Kanada nicht, für die Sonderregeln gelten.

Von Trump postulierter angeblicher „versteckter Zoll“ ausgesuchter Staaten (dunkel) im Vergleich zu unserer Berechnung aufgrund der Hypothese.

Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig und nein, ich habe die Daten nicht extra so ausgesucht, dass sie zur Hypothese passen. In ersten Version habe ich sogar für Japan eine Abweichung des „versteckten Zolls“ von unserer Hyptohese gefunden, dann aber festgestellt, dass der „versteckte Zoll“ für Japan falsch übernommen war.

Trumps Administration belügt hier also relativ offen die Welt. Es gab keine Untersuchung nach „versteckten Zöllen“, sondern hier wurde ausschließlich das Handelsbilanzdefizit der USA betrachtet. Wohlgemerkt ohne Dienstleistungsexporte und -importe, bei denen die Situation für die USA deutlich besser aussieht. Und selbst Staaten, die ein Handelsbilanzdefizit haben, wird pauschal ein „versteckte Zoll“ von 10 Prozent unterstellt.

Wie wichtig ist der „versteckte Zoll“ in der Realität

Das alles wäre nicht so schlimm, wenn der postulierte Wert keine Folgen hätte. Doch tatsächlich dient er zur Festlegung von Zöllen gegen diese Staaten. Üblicherweise beträgt dieser 50 Prozent der angeblichen „versteckten Zölle“ der Gegenseite.

Das immer noch nicht besonders reiche Vietnam soll beispielsweise mit Zöllen von 46 Prozent bestraft werden. Meine Tabelle enthält keine Daten für das Land, aber 2003 betrugen die Exporte der USA dorthin tatsächlich nur 9 Prozent der Import aus dem südostasiatischen Land, es gab also eine „Trump-Lücke“ von 91 Prozent.

Es gibt ein paar Ausnahmen, beispielsweise soll Ägypten mit Zöllen von 37 Prozent bestraft werden, obwohl das Land mehr aus den USA importiert als dorthin liefert. Madagaskar zahlt dagegen nur den Mindestzoll von 10 Prozent, obwohl die „Trump-Lücke“ hier mit 93 Prozent noch höher ist als in Vietnam. Doch bei den meisten Ländern wird der Zollsatz direkt aus den angeblich gefundenen „versteckten Zöllen“ berechnet.

Persönliches Fazit

Der Zollstreit ist eine Posse. Natürlich darf ein Land Zölle einführen. Der Ökonom Oren Cass hat mit „The Once and Future Worker“ ein durchaus sachliches Buch darüber geschrieben, warum der Freihandel seiner Meinung nach den USA geschadet hat. Sein Argument lautet kurz „Work Matters“. Arbeit ist demnach mehr als nur Voraussetzung um sich Waren kaufen zu können, sie bringt Stolz und Zufriedenheit. Besonders gilt das seiner Meinung nach für Industriearbeitsplätzen, die auch Menschen mit niedriger oder mittlerer Qualifikation oft gute Verdienstmöglichkeiten bieten, während in den Softwarezentren der Westküste hochbezahle Programmierer schlecht bezahlten Angestellten bei Lieferdiensten gegenüber stehen. Zumal sich diese Industrie stark auf wenige Zentren konzentriert.

Deshalb sind für ihn günstigere Importe aus dem Ausland oder die Erfolge der USA in der Medien- und Softwareindustrie kein Ersatz für Industriearbeitsplätze. Unabhängig ob man dem zustimmt oder nicht, so hätte man argumentieren können. Aber von „versteckten Zöllen“ zu fabulieren und großzügig zu verkünden, die eigenen Zölle seien nur „reziprok“ und nur halb so hoch die die des Auslands ist schäbig.

Footnotes

  1. Hier gibt es eine Reihe von Statistiken mit Daten zu unterschiedlichen Zeitpunkten: https://www.census.gov/foreign-trade/Press-Release/current_press_release/index.html Die neuesten Werte stammen aus dem Januar 2025, ich beziehe mich aber auf die Jahreszahlen für 2024.

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